Georg Schardt ist seit 2009 Teil der SOFORT GmbH und verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung im Versandhandel. Als Geschäftsführer der SOFORT GmbH verantwortet er die Bereiche Regulierung, Public Affairs und Bankenkooperationen. Im folgenden Interview wurde er von uns zu Instant Payments und PSD2 befragt:

Warum ist die PSD2 für die europäische Wirtschaft eine Chance?
Die PSD2 fördert innovative Geschäftsmodelle rund um das Bankkonto. Sie schafft Rechtssicherheit für bereits etablierte Verfahren am Markt und ermutigt zu neuen kontobasierten Lösungen. Rechtmäßig in die nationale Gesetzgebung implementiert, können Zahlungsauslösedienste und Kontoinformationsdienste zukünftig darauf vertrauen, ihre Dienstleistungen in allen 28 EU-Mitgliedstaaten unter fairen Wettbewerbsbedingungen anbieten zu können.

Sind Instant Payments wirklich „the hot topic“ des Zahlungsverkehrs? Wie stehen Sie als SOFORT dazu?
Wir begrüßen jede Art von Innovation, die die Servicequalität und Geschwindigkeit für alle Stakeholder erhöht. Wir hoffen, dass „Instant Payments“ schnell umgesetzt werden können. Eine lange Umsetzungszeit wie beispielsweise bei der Umstellung auf SEPA wird eher Schaden als Nutzen bringen und birgt die Gefahr der Fragmentierung, da SCTInst für die einzelne Bank nicht verpflichtend ist.

Ist der Vorschlag der EBA zu den RTS1 (bezogen auf SCA2 und CSC3) ein guter Vorschlag?
Die PSD2 sieht eindeutig vor, dass für regulierte Zahlungsauslösedienste und Kontoinformationsdienste sowohl der direkte Zugang (über die Online-Banking-Plattform) als auch der indirekte Zugang (über eine API) zum Bankkonto möglich ist, sofern der Kunde zustimmt. Der Entwurf der EBA zu den RTS räumt den Banken an dieser Stelle allerdings ein Wahlrecht ein – wenn sie eine dedizierte API entwickeln, können sie damit den direkten Zugang über die Online-Banking-Plattform versperren. Damit sind aus unserer Sicht die RTS weder technisch neutral, noch folgen sie der Vorgabe der PSD2 sowohl den direkten als auch den indirekten Zugang zum Bankkonto zu erlauben. Wäre dieser Vorschlag unverändert von der Europäischen Kommission angenommen worden, wären bankenunabhängige Anbieter abermals vom Wohlwollen der Banken abhängig gewesen, was die gesamte Intention der PSD2 auf den Kopf gestellt hätte, sollten doch gerade diese Anbieter vor Wettbewerbsbehinderungen durch Banken geschützt werden. Glücklicherweise hat die Kommission diese Gefahr erkannt und den Entwurf der EBA um eine sog. „fallback“ Lösung ergänzt: Sobald die speziellen APIs nicht die gleiche Verfügbarkeit und Datenqualität aufweisen wie das ursprüngliche Online-Banking, kann dieses wieder direkt von uns als lizenziertem Drittdienst genutzt werden. Dadurch wird eine Behinderung mittels mangelhafter APIs erheblich erschwert. Allerdings sind in diesem Zusammenhang auch noch viele Fragen offen. Wir werden daher aufmerksam beobachten, wie der Text von den unterschiedlichen Aufsichtsbehörden interpretiert wird.

Werden rein nationale Lösungen langfristig Bestand haben?
Nationale Lösungen, also Angebote, die nicht international funktionieren, werden im grenzüberschreitenden E-Commerce langfristig keine Überlebenschance haben. Dominante amerikanische Player zeigen es und sind bereits heute auch international bestens aufgestellt. Auch deutsche Händler richten sich immer internationaler aus und fusionieren immer häufiger mit europäischen Anbietern. Und auch bei Payment-Service-Providern sehen wir dieselbe Entwicklung: PSP bieten Händlern ihre Leistungen global an. Nationale Geschäftsmodelle sind überholt, sodass nationale Lösungen mittelfristig definitiv auch hier verschwinden werden.

Welche neuen Geschäftsmodelle werden möglich?
Die PSD2 ermöglicht grundsätzlich neue Dienste rund um das Bankkonto. Bereits heute gibt es europaweit schon viele Unternehmen, die auf Basis der PSD2 Dienste im Bereich von Buchhaltungssoftware oder Personal Finance Management anbieten.

Können auch Banken davon profitieren?
Definitiv, Banken profitieren von Multibanking-Lösungen schon heute. Das generelle Problem einer Bank ist jedoch, dass eine Lösung, die nur Kunden einer Bank angeboten wird, zwangsläufig nicht skalierbar und damit interessant für den Händler als auch den Endkunden ist. Zahlungsauslösedienste und Kontoinformationsdienste setzen genau dort an und machen das Bankkonto der einzelnen Bank ubiquitär im Internet einsetzbar und damit wertvoller ‒ für Verbraucher und Händler gleichermaßen. Kurz um: Die PSD2 löst hier das Problem der Fragmentierung von Banken und schützt damit die Kundenbeziehung zwischen Bank und Verbraucher, ohne das Banken selbst investieren müssten.

Wie sehen Sie Ihre zukünftige Entwicklung in diesem neuen Umfeld?
Kontobasiertes Zahlen wird weiter überdurchschnittlich wachsen, weil es für den Endkunden einfach und sicher ist. Auch Händler favorisieren kontobasierte Bezahlmethoden, weil es für sie der direkteste und sicherste Weg einer Online-Zahlung ist. Die Umsetzung der PSD2 wird unser Wachstum (aktuell nutzen mehr als 40.000 Händler SOFORT) weiter steigern.

Wie sehen Sie die SOFORT im Kontext von Cross Channel Payments?
Aktuell konzentrieren wir uns ausschließlich auf den Online-Handel.

Blicken wir in die Zukunft: Was erwarten Sie von einer PSD3?
Wichtiger für mich ist die Umsetzung der PSD2 in 2018. Danach wird man sehen, wo Nachbesserungsbedarf besteht und wie die verantwortlichen Regulierer mit möglichen technischen Innovationen umgehen. Die ersten Gespräche zur PSD2 gab es 2010. Das heißt, bis zum Inkrafttreten der Regelung hat es nun acht Jahre gedauert. Die Erwartungen an mögliche Änderungen einer PSD3 sollten – allein aus zeitlichen Gründen ‒ daher nicht allzu hoch sein.

1 regulatory technical standards = regulatorische technische Standards
2 (requirements of) strong customer authentication = (Anforderungen an) starke Kundenauthentifizierung
3 (requirements for) common and secure open standards of communication = (Anforderungen an eine) sicheren Kommunikation