Künstliche Intelligenz in der Bank: Vom Hype zum messbaren Produktivitätsgewinn

Auf der CIBI 2026 am 20. Mai in München spricht Filip Horner über den Weg von der KI-Euphorie zum messbaren Produktivitätsgewinn. Vorab haben wir mit ihm über die größten Hebel, die Rolle des Menschen und den Umgang mit Regulatorik gesprochen. 

ibi research: Herr Horner, Ihr Vortragstitel auf der diesjährigen CIBI lautet „Künstliche Intelligenz in der Bank: Vom Hype zum messbaren Produktivitätsgewinn" – was beschäftigt Sie dabei derzeit am meisten? 

Filip Horner: Die Lücke zwischen den hohen Erwartungen an KI und den messbaren Effekten der tatsächlichen Umsetzung. Viele Institute haben KI-Piloten gestartet – das ist ein notwendiger erster Schritt. Doch ein Pilot, der in einem Fachbereich funktioniert, ist noch kein Produktivitätsgewinn. Der entsteht erst, wenn eine Lösung verlässlich im Arbeitsalltag integriert ist, von den Mitarbeitenden angenommen wird und sich in den Prozesskennzahlen niederschlägt. Genau diesen Übergang gestalten wir bei BNP Paribas Personal Investors gerade sehr bewusst. 

Wo sehen Sie die größten Hebel – und wo die größten Risiken? 

Überall dort, wo Wissensarbeit auf strukturierte Prozesse trifft: Governance, Kundenservice, interne Recherche und Dokumentation, um ein paar wichtige Felder zu nennen. KI kann hier spürbar Aufwände reduzieren – nicht um Stellen abzubauen, sondern um Kapazität für wertschöpfendere Aufgaben zu schaffen. Die Risiken liegen weniger in der Technologie an sich als im Umgang damit. Wer KI ohne klare Leitplanken für Datenqualität und Nachvollziehbarkeit einsetzt, geht ein hohes  Reputationsrisiko ein. Responsible AI ist bei BNP Paribas deshalb eine operative Anforderung, die wir von Anfang an mitdenken. 

Regulatorik wird oft als Bremse wahrgenommen. Teilen Sie das? 

Nein. Regulatorische Anforderungen – wie EU AI Act, DSGVO, BaFin-Vorgaben – schaffen einen nachvollziehbaren Rahmen, der Vertrauen ermöglicht. Und Vertrauen ist die Grundlage dafür, dass KI-Lösungen im Bankumfeld überhaupt akzeptiert werden. Wer die Regulatorik früh in den Entwicklungsprozess integriert, spart nachträgliche Korrekturen und gewinnt Geschwindigkeit. Regulatorik ist ein Enabler, keine Bremse. 

Warum ist Change Management aus Ihrer Sicht so entscheidend? 

Weil die beste Technologie nichts bringt, wenn sie nicht genutzt wird. Der Erfolg von KI-Initiativen hängt mindestens so stark vom Change Management ab wie von der technischen Umsetzung. Mitarbeitende müssen verstehen, was ein KI-Werkzeug kann – und es ausprobieren dürfen. Wir investieren gezielt in die Befähigung und eine Kultur, in der Experimentieren erwünscht ist und wir als Organisation lernen, wie wir das Potential von KI am besten nutzen, um es zu skalieren. 

Wie messen Sie, ob sich KI-Investitionen lohnen? 

Entscheidend ist, von Anfang an klare Zielgrößen zu definieren, die über reine Kosteneinsparung hinausgehen. Natürlich messen wir Durchlaufzeiten und Automatisierungsquoten. Aber genauso wichtig: Wird die Lösung genutzt? Verbessert sie die Entscheidungsqualität? Wer KI nur über Cost-Savings bewertet, unterschätzt den eigentlichen Wert. Und: Die Messung beginnt nicht nach dem Go-Live, sondern schon mit der Konzeption der Prototypen. 

Herr Horner, vielen Dank für das Gespräch!

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26.03.2026