CIBI 2026: Finance & Trends – was die Branche bewegt

Bei der CIBI 2026 in München diskutierten Expertinnen und Experten aus Finanz- und Technologiebranche über die Zukunft des Bankings. Im Mittelpunkt standen insbesondere digitale Souveränität, die EUDI-Wallet sowie das Potenzial von künstlicher Intelligenz und Agentic AI.

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Digitale Souveränität: politisch gefordert, aber aktuell kaum umsetzbar

Ein zentrales Thema der Konferenz war die zunehmende Bedeutung der EUDI-Wallet und der digitalen Souveränität. Einigkeit bestand darüber, dass diese Themen die Bankenbranche in den kommenden Jahren maßgeblich prägen werden – sowohl mit Blick auf regulatorische Anforderungen als auch hinsichtlich neuer digitaler Identitäts- und Vertrauensmodelle.

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In einer Talkrunde mit Uwe Klatt (GEVA), Marcus W. Mosen (N26) und Boris Strucken (FIS) wurde schnell klar: „Digitale Souveränität“ ist politisch schnell gefordert, aber praktisch kaum umsetzbar. Vollständige Autonomie in der Welt der hochvernetzten IT-Stacks - von der Anwendungssoftware über Betriebssysteme bis hinunter zum Chip – ist also illusorisch oder wäre zumindest höchst unwirtschaftlich. Die gezielte Schaffung von Alternativen in besonders kritischen Feldern ist erfolgsträchtiger, z. B. der verbesserte Schutz der Daten in europäischen Clouds. Ansonsten gilt, dass Abhängigkeiten nicht einseitig sind und politische Drohungen zurückschlagen können: Die Chips mögen aus Taiwan oder den USA kommen, aber deren Produktion verlangt unter anderem optische Geräte von Herstellern aus Deutschland.

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Künstliche Intelligenz als fester Bestandteil moderner Bankprozesse

Auch der Einsatz von künstlicher Intelligenz zog sich wie ein roter Faden durch die Diskussionen. Konsens war, dass KI aus modernen Prozessen nicht mehr wegzudenken ist. Gleichzeitig wurde kritisch angemerkt, dass Integration, Produktivität und tatsächlicher Mehrwert vieler Lösungen bislang noch hinter den Möglichkeiten zurückbleiben und Dienstleister dadurch erhebliches Potenzial verschenken.

Dabei wurde mehrfach betont, dass KI allein kein Garant für Wettbewerbsfähigkeit ist. Entscheidend seien vielmehr durchdachte Prozesse und deren konsequente Integration. Markus Kuchnia (Fynbiz) formulierte dazu eines der prägnantesten Statements der Veranstaltung: „Die Zukunft der Gewerbefinanzierung hängt nicht am Einsatz von KI – sondern daran, ob wir den Mut haben, Prozesse neu zu denken. Sonst … haben wir Scheißprozesse. Nur mit KI.“

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Klassische Bankgeschäfte im Wandel

Deutlich wurde zudem, dass sich das klassische Bankgeschäft grundlegend verändert. Marcus W. Mosen, Mitglied des Vorstands der Digitalbank N26, stellte die Strategie einer Neobank vor. Neben dem Einsatz von KI zur Bekämpfung von Finanzkriminalität setzt N26 auf Kooperationen: Ab Juli 2026 wird das europäische Zahlverfahren Wero integriert, Krypto wird über Bitpanda abgewickelt und das Investmentgeschäft läuft über Upvest. Er schloss seinen Vortrag mit der provokanten These: „In den nächsten fünf Jahren wird kein junger Mensch mehr ein Konto bei einer etablierten Bank aufmachen. Sie nehmen die Marken überhaupt nicht mehr wahr.“

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KI & IT-Sicherheit – Neue und alte Spannungsfelder?

Einen etwas anderen Blick vermittelten Joachim Astel (noris network), Moritz Bunse (TeamBank) und Kai Braunert (S&N Invent) im zweiten Talk des Tages. „Natürlich können wir den Stack skalierend bedienen, nur sind wir nicht auf Platz eins, wenn wir Chips einkaufen wollen“, erläuterte Astel. Bunse warf einen Blick auf die geänderte Sicherheitslage durch KI und aus der Sicht der Softwarehersteller konnte Braunert ebenfalls bestätigen, dass Security und Souveränität zusammengehören. Einigkeit herrschte darin, dass Sicherheit stärker in den Blick genommen werden muss. Souveränität helfe beim Vermeiden von Vendor Lock-ins, was ohnehin Pflicht in Sachen DORA (Digital Operational Resilience Act) sei.

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Fazit

Die CIBI 2026 zeigte erneut, dass die Finanzbranche weiter vor einer tiefgreifenden technologischen Transformation steht. Angetrieben durch die extreme Innovations­geschwindigkeit neuer Wettbewerber verliert die reine Kostenkontrolle an Bedeutung; stattdessen wird Künstliche Intelligenz zum neuen Kern des bankbetrieblichen Betriebssystems. Parallel dazu läuten die europäische EUDI-Wallet und digitale Identitäten ab 2026/2027 einen Infrastruktur-Wandel ein.

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Dr. Stephan Weber, Research Director bei ibi research, zog ein positives Fazit der Veranstaltung: „Die Finanzwelt steht vor großen Umbrüchen. Umso wichtiger ist es, sich auszutauschen und von den Erfahrungen und dem Wissen anderer Akteure profitieren zu können. Die CIBI hat sich auch in diesem Jahr wieder als ideale Plattform dafür erwiesen.“

An dieser Stelle möchten wir uns auch noch einmal ganz herzlich bei all unseren Sponsoren bedanken, die dieses Event möglich gemacht haben! Und vielen Dank auch an alle Gäste, Referenten und Aussteller! Wir freuen uns schon auf das nächste Jahr!


26.05.2026