Mit Blick auf die Ergebnisse des ibi-Payment-Reports 2026 haben wir die S&N Group zu ausgewählten Studienergebnissen und deren Bedeutung für die Praxis befragt. Im Interview gibt die S&N Group Einblicke in ihre Einschätzungen zu aktuellen Entwicklungen im Zahlungsverkehr – von den Perspektiven von Agentic Payments und dem Potenzial des Digitalen Euro über den Wettbewerb um die Kundenschnittstelle zwischen Banken und Bezahl-Apps bis hin zur strategischen Positionierung von Banken im Hinblick auf die kommende EUDI-Wallet.
ibi research: Was sind für Sie die generellen Erkenntnisse des ibi-Payment-Reports 2026 und welche Ergebnisse haben Sie am meisten überrascht?
S&N Group: Der Report zeigt für uns vor allem eines: Die strategische Richtung ist vielfach klar, die eigentliche Herausforderung beginnt bei der Umsetzung. Diese Diskrepanz zieht sich durch viele Ergebnisse.
Bemerkenswert ist die weiterhin zurückhaltende Haltung der Banken gegenüber dem Digitalen Euro. Zusätzliche Geschäftspotenziale werden bislang nur begrenzt gesehen, während Aufwand und Kosten kritisch bewertet werden. Gleichzeitig steigt die Bekanntheit auf Verbraucherseite deutlich, ohne dass viele Verbraucher bislang einen zusätzlichen Nutzen gegenüber bestehenden Bezahlverfahren erkennen.
Spannend ist auch, wie evolutionär sich das tatsächliche Bezahlverhalten entwickelt: Bargeld und girocard bleiben relevant, während die strategischen Weichen bei Wallets, digitalen Identitäten und Künstlicher Intelligenz längst gestellt werden.
ibi research: 88 Prozent der Experten erwarten, dass Agentic Payments die Rolle der Banken mindestens moderat bis disruptiv verändern; gleichzeitig hat rund die Hälfte der Institute noch keine KI-Budgets festgelegt. Wie passt das zusammen?
S&N Group: Das ist ein Muster, das wir aus vielen Technologiezyklen kennen: Die Relevanz ist erkannt, aber die Organisation ist noch nicht handlungsfähig. Viele Institute sind durch die regulatorische Agenda schlicht ausgelastet.
Bei KI halten wir es deshalb für wichtig, nicht auf die eine große Anwendung zu warten, sondern dort pragmatisch einzusteigen, wo der Nutzen konkret ist. Der Report zeigt solche Ansatzpunkte bereits deutlich: 83 Prozent der Experten sehen das größte Potenzial in Betrugsprävention und Transaktionsmonitoring.
Die entscheidende Frage ist also nicht mehr, ob KI den Zahlungsverkehr verändert, sondern wo Institute sie sicher, wirtschaftlich und skalierbar in den produktiven Betrieb bringen.
ibi research: 84 Prozent der Experten halten eine eigene Wallet-Strategie für unverzichtbar, doch nur 10 Prozent der Verbraucher nutzen die Wallet ihrer Hausbank. Wie gewinnen Banken den Kampf um die Kundenschnittstelle zurück?
S&N Group: Die Zahlen zeigen, wie groß der Vorsprung etablierter Lösungen bereits ist: Die PayPal-App wird von 66 Prozent der Verbraucher genutzt, während lediglich 10 Prozent die Wallet ihrer Hausbank verwenden. Entscheidend ist deshalb, eine Wallet nicht auf ihre Bezahlfunktion zu reduzieren. Auch die Ergebnisse zu Händler-Apps zeigen, wie wichtig zusätzliche Services für die Nutzung sind.
Eine Wallet gewinnt nicht allein über das Bezahlen, sondern über den Mehrwert drumherum. Banken bringen dafür gute Voraussetzungen mit: eine etablierte Kundenbeziehung und das Konto als zentralen Bezugspunkt. Entscheidend wird sein, Payment, Identität und Mehrwertdienste konsequent aus Kundensicht zusammenzudenken.
ibi research: 71 Prozent der Experten halten es für entscheidend, dass sich Wero vor dem Digitalen Euro im Markt etabliert. Hat Wero gegen den Digitalen Euro überhaupt eine Chance?
S&N Group: Wero und der Digitale Euro verfolgen beide das Ziel, die europäische Souveränität im Zahlungsverkehr zu stärken, setzen dabei aber an unterschiedlichen Punkten an. Wero muss sich als privatwirtschaftliche Lösung im Wettbewerb behaupten und Nutzer durch Funktionalität und Mehrwerte gewinnen. Der Digitale Euro dagegen wird über die verpflichtende Akzeptanz eine flächendeckende Verbreitung erreichen, stößt bei der tatsächlichen Nutzung aber möglicherweise an seine Grenzen. Deshalb sehen wir beide weniger als Konkurrenten. Interessanter ist, wie sie künftig zusammenspielen.
Für Wero wird entscheidend sein, neben der Reichweite innovative und komfortable Funktionen rund um die Bezahlung bereitzustellen. Mit einem erkennbaren Mehrwert gegenüber etablierten Verfahren kann sich Wero auch behaupten, wenn der Digitale Euro kommt.
ibi research: Zwei Drittel der Experten sehen die Zukunft der Banken im eID-Ökosystem nur gesichert, wenn sie eigene Identitätslösungen anbieten. Wie sollten sich Institute mit Blick auf die EUDI-Wallet positionieren, die ab Ende 2027 verpflichtend akzeptiert werden muss?
S&N Group: Der größte Fehler wäre aus unserer Sicht, die EUDI-Wallet ausschließlich als regulatorisches oder technisches Umsetzungsprojekt zu betrachten. Für Banken ergeben sich Berührungspunkte entlang zahlreicher digitaler Prozesse: von Kontoeröffnung und Authentifizierung über Vertragsabschlüsse bis hin zu digitalen Signaturen. Entscheidend ist deshalb, die eigene Rolle im entstehenden Identitätsökosystem frühzeitig zu definieren und Identität nicht isoliert von Payment und anderen digitalen Services zu betrachten.
Gerade bei Sicherheit und Datenschutz haben Banken eine gute Ausgangsposition: das Vertrauen ihrer Kunden. Diesen Vorteil gilt es für neue digitale Angebote zu nutzen.
ibi research: Welche zentralen Schlussfolgerungen ziehen Sie aus den Ergebnissen des ibi-Payment-Reports 2026 für die Entwicklungen des Zahlungsverkehrs in den nächsten Jahren?
S&N Group: Der Zahlungsverkehr verlässt endgültig den Maschinenraum. Die großen Themen der nächsten Jahre haben enorme Auswirkungen auf die Kundenschnittstelle.
Der Report zeigt, dass die Institute die relevanten Entwicklungen erkannt haben. Jetzt kommt es darauf an, aus strategischer Erkenntnis konsequente Umsetzung zu machen – und neue Technologien sicher, wirtschaftlich und vor allem mit echtem Mehrwert in bestehende Strukturen zu integrieren.
Für uns als Partner der Institute heißt das, die vielen parallelen Anforderungen zusammenzubringen und daraus tragfähige, zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln.
S&N Group, herzlichen Dank für das Interview! Die vollständige Studie „ibi-Payment-Report 2026“ steht kostenlos zum Download zur Verfügung unter: www.ibi.de/payment-report2026