Welche Rolle spielen Banken künftig in einer zunehmend digitalen Finanzwelt? Welche Auswirkungen haben die EUDI-Wallet, künstliche Intelligenz und neue Payment-Lösungen auf bestehende Geschäftsmodelle? Antworten auf diese Fragen standen im Mittelpunkt der diesjährigen CIBI von ibi research, die am 20. Mai 2026 in der WEITBLICK Eventlocation in München stattfand.
Die Veranstaltung brachte führende Expertinnen und Experten der Finanz- und Technologiebranche zusammen. Mit dabei waren Referentinnen und Referenten von N26, Deutscher Sparkassen- und Giroverband, GEVA Group, FIS - Fidelity Information Services, Fynbiz, BNP Paribas Personal Investors, TeamBank, Futurised, noris network sowie S&N Invent.
Digitale Souveränität: politisch gefordert, aber aktuell kaum umsetzbar
Ein zentrales Thema der Konferenz war die zunehmende Bedeutung der EUDI-Wallet und der digitalen Souveränität. Einigkeit bestand darüber, dass diese Themen die Bankenbranche in den kommenden Jahren maßgeblich prägen werden – sowohl mit Blick auf regulatorische Anforderungen als auch hinsichtlich neuer digitaler Identitäts- und Vertrauensmodelle.
In einer Talkrunde mit Uwe Klatt (GEVA), Marcus W. Mosen (N26) und Boris Strucken (FIS) wurde schnell klar: „Digitale Souveränität“ ist politisch schnell gefordert, aber praktisch kaum umsetzbar. Vollständige Autonomie in der Welt der hochvernetzten IT-Stacks - von der Anwendungssoftware über Betriebssysteme bis hinunter zum Chip – ist also illusorisch oder wäre zumindest höchst unwirtschaftlich. Die gezielte Schaffung von Alternativen in besonders kritischen Feldern ist erfolgsträchtiger, z. B. der verbesserte Schutz der Daten in europäischen Clouds. Ansonsten gilt, dass Abhängigkeiten nicht einseitig sind und politische Drohungen zurückschlagen können: Die Chips mögen aus Taiwan oder den USA kommen, aber deren Produktion verlangt unter anderem optische Geräte von Herstellern aus Deutschland.
Einen etwas anderen Blick vermittelten Joachim Astel (noris network), Moritz Bunse (TeamBank) und Kai Braunert (S&N Invent) im zweiten Talk des Tages. „Natürlich können wir den Stack skalierend bedienen, nur sind wir nicht auf Platz eins, wenn wir Chips einkaufen wollen“, erläuterte Astel. Bunse warf einen Blick auf die geänderte Sicherheitslage durch KI und aus der Sicht der Softwarehersteller konnte Braunert ebenfalls bestätigen, dass Security und Souveränität zusammengehören. Einigkeit herrschte darin, dass Sicherheit stärker in den Blick genommen werden muss. Souveränität helfe beim Vermeiden von Vendor Lock-ins, was ohnehin Pflicht in Sachen DORA (Digital Operational Resilience Act) sei.
Künstliche Intelligenz als fester Bestandteil moderner Bankprozesse
Auch der Einsatz von künstlicher Intelligenz zog sich wie ein roter Faden durch die Diskussionen. Konsens war, dass KI aus modernen Prozessen nicht mehr wegzudenken ist. Gleichzeitig wurde kritisch angemerkt, dass Integration, Produktivität und tatsächlicher Mehrwert vieler Lösungen bislang noch hinter den Möglichkeiten zurückbleiben und Dienstleister dadurch erhebliches Potenzial verschenken.
Dabei wurde mehrfach betont, dass KI allein kein Garant für Wettbewerbsfähigkeit ist. Entscheidend seien vielmehr durchdachte Prozesse und deren konsequente Integration. Markus Kuchnia (Fynbiz) formulierte dazu eines der prägnantesten Statements der Veranstaltung: „Die Zukunft der Gewerbefinanzierung hängt nicht am Einsatz von KI – sondern daran, ob wir den Mut haben, Prozesse neu zu denken. Sonst … haben wir Scheißprozesse. Nur mit KI.“
Klassische Bankgeschäfte im Wandel
Positiv bewertet wurde zudem die Entwicklung von Wero. Unter den Teilnehmenden herrschte Einigkeit darüber, dass die europäische Zahlungslösung als zukunftsfähig angesehen wird und eine wichtige Rolle im europäischen Zahlungsverkehr einnehmen kann.
Deutlich wurde zudem, dass sich das klassische Bankgeschäft grundlegend verändert. Markus W. Mosen brachte diese Entwicklung pointiert auf den Punkt: „In den nächsten fünf Jahren wird kein junger Mensch mehr ein Konto bei einer etablierten Bank aufmachen. Sie nehmen die Marken überhaupt nicht mehr wahr.“
Dr. Stephan Weber, Research Director bei ibi research, zog ein positives Fazit der Veranstaltung: „Die Finanzwelt steht vor großen Umbrüchen. Umso wichtiger ist es, sich auszutauschen und von den Erfahrungen und dem Wissen anderer Akteure profitieren zu können. Die CIBI hat sich auch in diesem Jahr wieder als ideale Plattform dafür erwiesen.“