Am 14. Juli 2026 trafen sich Entscheiderinnen und Entscheider aus dem bayerischen Großhandel in Nürnberg zum 4. Bayerischen Großhandelsforum, um über die Zukunft und derzeitigen Herausforderungen der Branche zu sprechen.
Ausgerichtet wurde die Veranstaltung gemeinsam von uns mit der IHK Nürnberg für Mittelfranken, der IHK Schwaben, der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim und dem Landesverband Bayern Großhandel · Außenhandel · Dienstleistungen e.V. (LGAD). Durch das Programm führte unser Geschäftsführer Dr. Georg Wittmann, der in seiner Funktion als Geschäftsführer des Mittelstand-Digital Zentrums Handel die Moderation übernahm.
Digitalisierung ist Chefsache
Zur Begrüßung richtete sich Christoph Leicher, Präsident des LGAD, an die – wie er es formulierte – „Crème de la Crème des Großhandels“. Er machte deutlich: Die Reaktion auf die Veränderungen durch Digitalisierung muss Chefsache sein. Er forderte die anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmer auf, konsequent zu prüfen, wo traditionelle Prozesse wertvolle, qualifizierte Mitarbeitende binden – Zeit, die an anderer Stelle im Unternehmen deutlich wertschöpfender investiert werden könnte.
KI-Strategie aus erster Hand: So arbeitet die Ludwig Meister GmbH
Einen der Höhepunkte des Vormittags lieferte Elisabeth Meister, Co-CEO von Ludwig Meister. Sie gewährte den Teilnehmenden einen offenen Einblick in die KI-Strategie ihres Familienunternehmens: von der Anwendung der OKR-Methode zur Zielsteuerung bis hin zu den typischen Gründen, warum KI-Projekte im Mittelstand häufig scheitern. Ihr Beitrag machte deutlich, dass der erfolgreiche Einstieg in KI weniger eine Frage der Technologie als der Organisation und Kultur ist.
Deep Dives: ein Nachmittag voller Praxisimpulse
Im Anschluss konnten die Besucherinnen und Besucher zwischen parallelen Deep-Dive-Sessions wählen, die mit Praxisberichten und aktuellen Studiendaten unterlegt waren:
Digitale Transformation im Zeitalter der KI – konkrete Erfahrungen aus der Fa. Kagerer GmbH, die den Sprung in die praktische KI-Anwendung bereits gewagt habt, sowie die Sicht der Dienstleister acto und mgm technology partners auf derartige Projekte
Arbeitswelt im Wandel – Ansätze und Beispiele zur Fachkräftegewinnung und -bindung im Großhandel
Öffentliche Beschaffung – Chancen und Herausforderungen, die sich Großhandelsunternehmen im Geschäft mit der öffentlichen Hand bieten
Unternehmergespräch: Offen, kontrovers, praxisnah
Nach einem gemeinsamen Mittagessen bildete die Gesprächsrunde mit Alexander Rummler (Velivery GmbH & Co. KG, Nabburg), Peter Steding (Heiderbeck Service GmbH & Co. KG, Olching) und Elisabeth Meister (Ludwig Meister GmbH, Dachau) besonderen Programmpunkt – mit klaren Statements, ehrlichen Einblicken, nachhaltigen Forderungen und einem gewinnbringenden Austausch.
Einig waren sich die drei Unternehmerpersönlichkeiten in mehreren zentralen Punkten:
Der Großhandel befindet sich aktuell in einer Phase multipler Krisen.
Der Abbau von Bürokratie bleibt eine der drängendsten Baustellen für die Branche.
Ein eigener Mitarbeiter für Regulatorik werde in vielen Betrieben bald notwendig sein, wenn alles so bleibt, wie es aktuell ist – so Alexander Rummler wörtlich.
Wachstum bleibt das gemeinsame Ziel – erreicht werden soll es über neue Produkte, Internationalisierung, Franchise-Modelle und Fusionen.
Auf der Wunschliste an die Politik standen unter anderem eine unternehmensfreundlichere Gesetzgebung sowie spürbar schnellere behördliche Prozesse, etwa bei Brandschutzabnahmen oder Baugenehmigungen, aber auch bei bezahlbarem Wohnraum oder dem Ausbau des ÖPNV, so dass potentielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überhaupt für die jeweiligen Unternehmensstandorte begeistert werden können.
Abschluss mit politischer Perspektive
Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein Impuls von Staatssekretär Tobias Gotthardt, der wichtige Perspektiven für die Branche aus politischer Sicht einordnete.
Fazit
Das 4. Bayerische Großhandelsforum zeigte einmal mehr, wie eng die Themen Digitalisierung, Fachkräftesicherung, Bürokratieabbau und neue Geschäftsfelder wie die öffentliche Beschaffung für den bayerischen Großhandel miteinander verzahnt sind. Der offene Austausch zwischen Unternehmenspraxis, Verbänden und Politik lieferte nicht nur konkrete Impulse für den Arbeitsalltag, sondern auch wertvolle Kontakte für die weitere Vernetzung innerhalb der Branche.
Wir bedanken uns bei allen Partnern, Referentinnen und Referenten sowie Teilnehmenden – und natürlich auch unseren Co-Organisatoren – für einen gelungenen Veranstaltungstag und freuen uns bereits auf das 5. Bayerische Großhandelsforum 2028.