EUDI-Wallet im Dialog – größtes europäisches Gemeinschaftsprojekt seit Einführung des Euros

Mit der Einführung der European Digital Identity Wallet (EUDI-Wallet) entsteht in Europa weit mehr als eine neue digitale Ausweis-App. Vielmehr entwickelt sich ein neues digitales Ökosystem, das die Art und Weise verändern wird, wie sich Bürgerinnen und Bürger identifizieren, Unternehmen digitale Prozesse gestalten und Verwaltungen ihre Dienstleistungen anbieten. 

Im Rahmen unseres Online-Dialogs „EUDI-Wallet im Dialog – Chancen, Herausforderungen und Perspektiven für Wirtschaft, Finanzbranche und Verbraucher“ diskutierten Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Finanzbranche gemeinsam mit über 100 Teilnehmenden die aktuellen Entwicklungen sowie die nächsten Schritte auf dem Weg zur Einführung der EUDI-Wallet. Am Ende war klar, dass die EUDI-Wallet das größte europäisches Gemeinschaftsprojekt seit Einführung des Euro sein wird! 

Mit dabei waren: 

  • Oliver Lauer / Florian Andreae (Deutscher Sparkassen- und Giroverband) 

  • Jonas Wöll (Deutsche Industrie- und Handelskammer/DIHK) 

  • Dr. Stephan Weber (ibi research) 

  • Moderation: Dr. Georg Wittmann (ibi research) 

Die EUDI-Wallet als europäische Vertrauensinfrastruktur 

Zum Einstieg gab Dr. Stephan Weber einen Überblick über die Ziele der europäischen eIDAS-2.0-Verordnung und die Rolle der EUDI-Wallet. Deutlich wurde: Die Wallet soll künftig weit mehr ermöglichen als eine digitale Identifikation. 

Zu den vorgesehenen Funktionen gehören unter anderem: 

  • digitale Identifikation und Authentifizierung, 

  • Speicherung und Weitergabe digitaler Nachweise, 

  • elektronische Signaturen, 

  • sichere Login- und Onboarding-Prozesse sowie 

  • zahlreiche Anwendungsfälle in Verwaltung, Finanzwirtschaft, Handel und E-Commerce. 

Mit der verpflichtenden Einführung der Wallet in allen EU-Mitgliedstaaten entsteht erstmals eine europaweit interoperable Vertrauensinfrastruktur. Gleichzeitig entwickelt sich ein neues digitales Ökosystem, in dem öffentliche Stellen, Unternehmen und Technologieanbieter gemeinsam neue Anwendungen und Geschäftsmodelle schaffen. 

Wirtschaft fordert praxisnahe Anwendungsfälle 

Jonas Wöll von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) machte deutlich, dass der regulatorische Rahmen inzwischen weitgehend geschaffen wurde. Entscheidend für den Erfolg werde jedoch sein, ob die Wallet im Unternehmensalltag einen echten Mehrwert bietet. 

Aus Sicht der Wirtschaft braucht es insbesondere: 

  • konkrete und priorisierte Use Cases, 

  • Planungssicherheit für Unternehmen, 

  • europaweit interoperable Lösungen sowie 

  • ein leistungsfähiges Ökosystem mit hoher Akzeptanz. 

Denn letztlich entscheidet nicht die Technologie allein über den Erfolg, sondern die Frage, ob Unternehmen und Verbraucher die neuen Möglichkeiten tatsächlich nutzen. 

Nutzererlebnis als Schlüssel zum Erfolg 

Einen weiteren wichtigen Aspekt brachten Oliver Lauer und Florian Andreae vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband ein: Sicherheit allein reicht nicht aus. Die EUDI-Wallet muss für die Nutzerinnen und Nutzer vor allem einfach funktionieren. 

Gerade Finanzinstitute verfügen bereits heute über umfangreiche Erfahrungen mit digitalen Identitätsprozessen. Dieses Know-how kann künftig genutzt werden, um die EUDI-Wallet möglichst nahtlos in bestehende Anwendungen zu integrieren und so komfortable digitale Services bereitzustellen. Dabei spielen Nutzerfreundlichkeit und Kundenerlebnis eine zentrale Rolle. 

Viele Fragen sind noch offen 

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass sich die EUDI-Wallet zwar auf der Zielgeraden zur Einführung befindet, viele Fragen aber erst in den kommenden Jahren beantwortet werden können. 

Welche Anwendungsfälle setzen sich tatsächlich am Markt durch? Welche Unternehmen werden zu zentralen Akteuren im Wallet-Ökosystem? Wem vertrauen Verbraucher ihre digitalen Identitäten an? Welche Rolle übernehmen Banken, Handel und andere Wirtschaftsakteure? Und wie entwickelt sich die Akzeptanz nach dem Marktstart? Genau diese Fragen werden darüber entscheiden, wie erfolgreich sich die EUDI-Wallet in der Praxis etabliert. 

EUDI-Wallet-Monitor 2027: Marktentwicklung datenbasiert begleiten 

Darauf baut auch unser geplantes Studienprojekt „EUDI-Wallet-Monitor 2027“ auf, das im Rahmen des Online-Dialogs erstmals präsentiert wurde.  

Die Einführung der EUDI-Wallet markiert den Übergang von der Konzeptions- in die Marktphase. Während regulatorische Vorgaben, technische Standards und erste Pilotprojekte bereits vorliegen, fehlen bislang belastbare Erkenntnisse darüber, wie sich Verbraucherakzeptanz, Unternehmensstrategien und das entstehende Ökosystem tatsächlich entwickeln werden. 

Genau hier setzt der EUDI-Wallet-Monitor 2027 an. Das Studienprojekt kombiniert internationale Best Practices, repräsentative Verbraucherbefragungen und Fokusgruppen mit Unternehmen aus Finanzwirtschaft, Versicherungen sowie Handel und E-Commerce. Zusätzlich analysiert es unter anderem Akzeptanz, Nutzung, Vertrauen, Investitionspläne und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle.  

Unser Ziel ist es, die Markteinführung der EUDI-Wallet kontinuierlich wissenschaftlich zu begleiten und Unternehmen frühzeitig belastbare Entscheidungsgrundlagen bereitzustellen. 

Jetzt als Projektpartner beteiligen 

Der EUDI-Wallet-Monitor 2027 richtet sich an Unternehmen und Organisationen, die die Entwicklung der europäischen digitalen Identität aktiv mitgestalten möchten. Projektpartner erhalten nicht nur frühzeitigen Zugang zu den Ergebnissen, sondern können ihre Fragestellungen in die Studie einbringen und von einer vorwettbewerblichen Zusammenarbeit profitieren. 

Weitere Informationen zum Studienprojekt finden Sie unter www.ibi.de/eudi-wallet-monitor

Wir freuen uns auf den Austausch mit Unternehmen, Institutionen und weiteren Interessierten, die den Aufbau des neuen europäischen Wallet-Ökosystems gemeinsam mit uns begleiten möchten.